Handelsstil im Forex Trading – Fragen & Antworten

Gabriel Grammatidis im Interview mit dem Van Tharp Institute (USA) zu seinem Handelsstil im Forex Trading

In den ersten beiden Teilen dieses Interviews hat uns Gabriel Grammatidis die Anfänge seiner Karriere als Trader geschildert sowie die Grundlagen seines Handelsansatzes. In diesem Teil wird er uns seinen Handelsstil für Forex erläutern.

Wie würden sie ihren Handelsstil im Forex Trading bezeichnen?

Ich bin ein regelbasiert-diskretionärer Händler. Ein festes Regelwerk gibt mir die Sicherheit, allein aufgrund des positiven Erwartungswertes meines Systems, einen Vorteil gegenüber anderen Teilnehmern zu erlangen. Darüber hinaus generiere ich einen weiteren diskretionären Mehrertrag basierend auf Erfahrung und Intuition. Meine Systeme bestehen zu etwa 70% aus einem festen Regelwerk.

Sind Ihre Systeme jeweils nur für einen bestimmten Zeitrahmen geeignet?

Ich bin der Überzeugung, daß ein Handelssystem auf allen Zeitrahmen einen Vorteil haben sollte. Wenn ein System nur in einem bestimmten Zeitrahmen (oder Markt) funktioniert, ist das meist nur von kurzer Dauer. Da die Märkte aus Fraktalen bestehen, zeigt ein System seine Robustheit dadurch, daß es viele Zeitrahmen und Märkte abdecken kann. Ich verwende meine Systeme auf mehreren Zeitrahmen (zB 5min- oder Wochenchart). Das erlaubt mir die jeweils besten Chancen zu nutzen.

Van hebt bei der Beurteilung von Handelssystemen die Wichtigkeit des Marktumfelds hervor. Beachten Sie dies auch im Forex Markt?

Es gibt kein „Holy Grail“ System, das in allen Markttypen gut funktioniert. Daher ist es wichtig zu analysieren, wie gut ein System in verschiedenen Markttypen funktioniert und wieviel Signale generiert werden. Erst dann kennt man sein System erst richtig und weiß, wie es sich in verschiedenen Situationen verhält. Das erlaubt einem dann entsprechend zu reagieren, um beispielsweise Drawdowns zu begrenzen. Meine Systeme funktionieren am besten bei guten Trends, die nicht zu volatil sind. Dort inde ich die besten Signale mit niedrigem Risiko.

Es scheint Sie achten hauptsächlich auf die Art der Preisbewegung (price action) und weniger auf Indikatoren. Ist das richtig?

Tatsächlich nutze ich im Forex Trading eine Kombination aus Preisbewegung und Indikatoren. Der Großteil der Teilnehmer verwendet Indikatoren, die ein Signal liefern nachdem sich der Kurs bereits bewegt hat – sogenannte „lagging“ (oder nachziehende) Indikatoren. Solche Teilnehmer handeln daher oft zu spät, werden ausgestoppt oder proitieren nicht genug. Ich ziehe es vor mit Hilfe von „leading“ Indikatoren frühzeitig positioniert zu sein, um dann bereits schon im Gewinn zu sein, wenn die Masse einsteigt.

Wie entstehen ihrer Meinung nach die Unterstützungs- und Widerstandslinien im FX-Markt?

Diese Linien entstehen im Forex-Markt, ebenso wie in anderen Märkten, durch die Psychologie der Marktteilnehmer. Basierend auf gewissen Marktmustern innerhalb von Konsolidierungen, habe ich mich auf gewisse „horizontale Linien“ spezialisiert von denen ich weiß, daß sich eine enge Leute die „Finger verbrannt“ haben. Ideal ist die Situation der „double trap“ bei der sich sowohl die Bullen als auch die Bären an der gleichen Stellen geirrt haben. An diesen Linien des „größten Schmerzes“ indet man die profitabelsten Gelegenheiten.

Van Tharp spricht viel über Risikomanagement. Wie wenden Sie dies bei ihren Handelssystemen an?

Was auch immer man als Einsteiger denkt, ist (neben der Psychologie) das Risikomanagement wichtiger als das Gewinnstreben. Wenn das Risiko unter Kontrolle ist, dann stellen sich die Gewinne bei einem System mit positivem Erwartungswert automatisch ein. Ich manage mein Risiko mit einem dynamischen Positionsgrößenalgorithmus sowie einer Anzahl an Risikoparametern, die mir frühzeitig anzeigen, wenn ich etwas vorsichtiger agieren sollte.

Was denken Sie ist beim Trading am wichtigsten, um erfolgreich zu sein?

Jeder, der anfängt sich mit den Kapitalmärkten zu beschäftigen durchläuft einen Lernzyklus von mehreren Phasen. Ich denke, dass man zu der Erkenntnis kommen sollte, daß ein profitables Handelssystem allein nicht ausreichend ist. Man muß dies auch tatsächlich fehlerfrei und flüssig handeln können, genannt flawless execution. Trading ist erst dann leicht, wenn man gewisse Hürden überwunden hat. Wie beim Autofahren müssen sich das System und der Mensch aufeinander einspielen. Erst dann ist es möglich intuitiv das Richtige zu tun.

Was würden Sie denjenigen empfehlen, die gerne in den Währungsmärkten aktiv werden möchten, sich aber noch nicht sicher fühlen?

Gerade FX ist der ideale Markt um das Trading zu erlernen. Man kann mit wenig Aufwand ein kleines Konto eröffnen, das keine Transaktionskosten-Nachteile gegenüber großen Konten aufweist. Ich empfehle jedem möglichst schnell praktische Trading-Erfahrung zu sammeln. Denn das Wissen, das man nach 50, 100 oder 200 Trades über die Märkte, das System und auch über sich selbst  erlangt ist sehr wichtig und die Basis für den zukünftigen Erfolg.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!